Neubau

Niederrad: Kommt das Blaue Haus bald wieder?

Im Januar 2018 war das „Blaue Haus“ abgebrannt. Der Wiederaufbau lässt auf sich warten. Die Stadt spricht von schwierigen Abstimmungsprozessen, die den Neubau verzögern.

Wann kommt denn das Blaue Haus wieder?“ Diese Frage hören Mitglieder der Plattform „Blaues Haus – Verein für Kunst und freie Zeit“ immer wieder, sagt Christine Schottmüller, Schatzmeisterin des Vereins. Vor allem dann, wenn sie sich dem einzigen Projekt widmen, das ihnen nach dem Brand des Gebäudes am Niederräder Ufer vor gut zwei Jahren geblieben ist: der „Blauen Wand“, einer Ausstellungsfläche, die auf der Brandruine steht und alle paar Monate „neu bespielt“ wird, wie es die Schatzmeisterin formuliert. Regelmäßig sind dort neue Bilder zu bewundern, meist von Kindern und Jugendlichen gestaltet. Dann bleiben auch Spaziergänger stehen und erkundigen sich, wie es denn auf dem Gelände weitergehen soll. „Das Interesse am Blauen Haus ist immer noch groß“, sagt Christine Schottmüller.

Das weiß auch Holger Volz, Bereichsleiter beim Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, der das Gelände am Niederräder Ufer von der Stadt gepachtet hat und sich darum kümmert. Er kritisiert, dass der Wiederaufbau des Blauen Hauses, der bereits beschlossen ist, auf sich warten lässt: „Das zieht sich viel zu lange hin.“ Dabei habe man der Stadt bereits vor eineinhalb Jahren Pläne für das neue Gebäude vorgelegt, sagt Volz. Und eigentlich sei geplant gewesen, dass der Bau schon im Frühjahr 2020 wieder steht. Auch die Kostenfrage sei geklärt, schließlich zahle die Brandversicherung, so dass der Anteil der Stadt überschaubar bleibe. „Aber es geht nichts weiter, es wird sinnlos verzögert“, ärgert er sich. „Das ist nicht hinzunehmen. Das Blaue Haus hat tolle Arbeit für die Bevölkerung geleistet.“

Verein weitgehend die Hände gebunden

Ohne Gebäude aber sind dem Verein weitgehend die Hände gebunden. Vor dem Brand im Januar 2018 hatte er regelmäßig Theateraufführungen, Filmabende, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Performances und andere Projekte im Blauen Haus veranstaltet. Geblieben davon sind nur die „Blaue Wand“ und das jährliche Sommerfest. Mit Kritik an der Stadt halten sich die Vereinsmitglieder dennoch zurück. „Wir warten ab“, sagt Vorsitzender Ioannis Kaklamanos nur. „Sobald das Haus steht, wollen wir wieder loslegen.“

Wann das der Fall sein wird, steht allerdings in den Sternen, räumt Günter Murr, Sprecher des städtischen Baudezernats, ein. Denn: „Es ist schwieriger als ursprünglich vermutet.“ Weil das Areal direkt am Wasser liegt, seien umfangreiche Prüfungen notwendig. Unter anderem musste der Boden nach Altlasten untersucht werden. Auch die statische Konstruktion wurde unter die Lupe genommen, ob sie noch tragfähig ist – „das ist der Fall“. Hinzu kommen „schwierige Abstimmungsprozesse“ mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde. „Das hat alles sehr verzögert“, sagt der städtische Sprecher. „Und wir können leider noch nicht sagen, wie lange sich das noch hinziehen wird.“

Bauantrag in Vorbereitung

Denn da ist auch die Sache mit dem Kanal, den die Stadtentwässerung dort erst noch bauen muss – „davon sind wir abhängig“. Immerhin sei ein Bauantrag für das neue Blaue Haus in Vorbereitung. Aber wann der tatsächlich gestellt wird, ist ebenfalls unklar, ebenso die Kosten für das Projekt. Erste Schätzungen beliefen sich auf 300 000 Euro, sagt Murr, ein Großteil davon werde wohl durch die Brandversicherung abgedeckt. Die zahle aber nur für die Herstellung des ursprünglichen Zustands. Wenn der Neubau aufwendiger ausfalle, müsse die Stadt die Mehrkosten tragen.

Volz hofft nun, dass wenigstens der Kanal in absehbarer Zeit fertig wird. Dann könnte der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten auf dem Areal immerhin Container aufstellen – als vorläufige Ersatzlösung für das Bootshaus, das bis vor einigen Jahren neben dem Blauen Haus stand, bevor es wegen Schimmelbefalls weichen musste.

Im Bootshaus waren Büros, Werkstätten und Lagerräume untergebracht. Seit dem Abriss aber, sagt Volz, müsse der Verein alle Mitarbeiter und alle Geräte, die man für die Pflege des Geländes braucht, mühsam transportieren: „Und das ist ein Riesenaufwand, die Leute immer hin- und herzukarren.“